Von einer guten Überfahrt, Linksverkehr und den Tücken des Tracks

Heute kamen wir mit unserer Fähre „Stena Hollandica” gegen 6:00 Uhr in Harwich an. Die Überfahrt war ruhig. Nach den ersten beiden Tagen im Sattel waren am Sonntag alle froh, ins Bett zu kommen. Die Kabinen mit den 2 Etagenbetten und  Naßzelle waren sauber und völlig ausreichend.

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Morgendlicher Aufbruch nach der Fähre!
Ganz schön viel zu verpacken bei 14 Leuten! ;-)

Heute standen 135 km bis nach Huntington, einer Stadt vielleicht 35 km nördlich von Cambridge, auf dem Programm. Die Verantwortung für den PKW und die Versorgung der Radler unterwegs übernahm Stefan Rühl. Für viele war es das erste Mal in England und die, die schon mal da waren, hatten kaum Erfahrung mit dem Radfahren hier. Deshalb hatten auch alle eine gehörigen Respekt, vor dem, was heute losgehen sollte. Zu Recht.

In zwei Gruppen machten wir uns auf den Weg. Mit dem Fahrrad auf der linken Seite fahren, erforderte von uns, stets wachsam zu sein. Auf gerader Strecke ist es nur ungewohnt, wenn einem die Autos rechts entgegenkommen und der Fahrer auf dem Beifahrersitz sitzt. Beim Abbiegen und in den vielen Kreisverkehren muß man verdammt aufpassen. Wenn man zum Beispiel in Deutschland nach rechts abbiegt, bleibt man auf seiner Straßenseite und beim Linksabbiegen muß man auf die andere Seite und daher aufpassen, daß von links kein Auto kommt. Hier in England ist es genau anders herum. Biegt man nach links ab, bleibt man auf der gleichen Straßenseite. Will man aber nach rechts, muß man die Straße queren. Vorsicht ist also angesagt! Aufgefallen ist uns die Toleranz der englischen Autofahrer gegenüber den Radfahrern. Beim Überholen wird ein großer Abstand eingehalten. Keiner versucht, bei Gegenverkehr knapp an einem Rad vorbei zu fahren. Wenn es nicht geht, wird eben gewartet. Niemand hupt. Das kann sich der ein oder andere Autofahrer in Deutschland zum Beispiel nehmen!

Die Tour heute war recht anstrengend. Die Landschaft ist wellig bis hügelig. Es gab praktisch kein Stück gerade Strecke. Hinzu kam der spürbare Gegenwind. Schon anspruchsvoll für einen Radsportverein aus dem flachen Münsterland! Etwa 30 km vom Fährhafen entfernt trafen wir Stefan zum ersten Mal am vereinbarten Treffpunkt und machten eine rühstückspause. Dann ging es 70 km weiter bis Cambridge, wo Stefan wieder auf uns wartete. Die ländlich geprägte Strecke bis dahin führte vorbei an alten, oft mit Reet gedeckten Steinhäuser inmitten von liebevoll gepflegten Gärten. Cambridge präsentierte sich als schöne aber auch touristisch gut besuchte Studentenstadt mit vielen alten Colleges, mittelalterlichen Kirchen und viktorianischen Gebäuden.

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Nach kurzer Stärkung ging es weiter. Wohlbehalten erreichten wir am späten Nachmittag nach letzlich dann 155 km die kleine Stadt Huntingten und bezogen die Zimmer in unserem Hotel „King George“. Das Hotel scheint aus der Zeit gefallen. Ohne großartig etwas zu verändern, könnte man hier einen Film drehen, der in den frühen 50er Jahren spielt. Viel Charme und liebevoll gepflegte Patina!

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Warum 155 km und nicht wie anfangs erwähnt 135 km? Das hat mehrere Gründe. Man legt ja seinen Track zu Hause auf dem Computer fest. Vor Ort stellt sich dann eine Straße, die gut mit dem Rennrad zu befahren sein soll, als besserer Wanderweg heraus oder noch unangenehmer, als Schotterstrecke. Nicht unbedingt geeignet für schmale Rennradreifen. Manchmal erlebt man auch die böse Überraschung, daß der ausgewählte Weg wegen Straßenbauarbeiten aktuell nicht zu befahren ist. Dann muß man improvisieren und eine Ausweichstrecke suchen. Unterm Strich kommen dann mehr Kilometer zusammen als ursprünglich geplant. Wie es auch sei, jetzt ruhen wir uns aus. Morgen gehts weiter.

(Bericht: Dirk Pohl)

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